Anschlag auf Dresdner Ingenieurbüro wegen Knastneubau

zusammengestellt von der AIBJ-Redaktion

In Dresden haben Autonome einen Brandanschlag auf ein Ingenieurbüro verübt, das am Bau der Groß-JVA Zwickau-Marienthal beteiligt ist. Zur Erinnerung: Im September 2019 gab es bereits einen Anschlag auf die Baustelle und auf Geräte der von einem Faschisten gelei­te­ten Bautzener Baufirma Hentschke Bau. Wir dokumentieren die Poli­zei­meldung und das Bekennerschreiben zum neuen Anschlag:

Die Polizeimeldung

Brand Auto und in Bürokomplex – Zeugenaufruf
Zeit: 17.09.2021, 00:30 Uhr
Ort: Dresden-Albertstadt

In der Nacht haben Unbekannte an der Königsbrücker Straße offenbar einen Mercedes S 400 angezündet und versucht ein Bürogebäude in Brand zu stecken.

Die Täter setzten zunächst den Mercedes auf noch unbekannte Weise in Brand. Anschließend zerstörten sie zwei Fensterscheiben eines Bürogebäudes und versuch­ten die dahinterliegenden Räume anzuzünden. Ein Zeuge konnte den Brand in einem Zimmer löschen, bevor größerer Schaden entstand. Außerdem sah er drei dunkel gekleidete Menschen wegrennen. Im zweiten Zimmer erlosch das Feuer offenbar von alleine.

Angaben zur Höhe des Sachschadens liegen bislang nicht vor. Die Kriminalpolizei ermittelt wegen Brandstiftung und prüft auch, ob Hinweise für eine politi­sche Motivation vorliegen.

Das Bekennerschreiben

Gegen den voranschreitenden Knastbau in Zwickau regt sich schon seit Längerem auch mili­tanter Widerstand. Getroffen hat es mittlerweile viele Firmen die sich an Bau, Planung oder Logistik beteiligt hatten. Besondere Auf­merk­samkeit wurde hierbei dem Bauunternehmen Hentschke Bau gewidmet, dessen Chef auch durch Spenden an die AfD negativ aufgefallen war. Zu so einem großen Projekt gehören jedoch viele Beteiligte und wir wollen uns nicht vorwerfen lassen, jemanden zu vergessen. Also widmeten wir uns in der Nacht vom 16. auf den 17. September mit einigen Litern Benzin dem Ingenieurbüro Rathenow in der Albertstadt. Wir schlugen zwei Scheiben ein und legten Brandsätze in den Räumen ab. Wir hoffen, dass durch den Brand der reibungslose Ablauf weiterer Knastplanungen gestört werden konnte und die Firma versteht: Wer am Bau von Knästen verdient, wird die Konsequenzen tragen müssen! Auf dem Gelände fanden wir zusätzlich noch einen Bonzenschlitten, wir setzten ihn kurzerhand in Brand.

Wir sehen in Knästen einen Ort der zugespitzten Verstümmelung, in dem Menschen gebrochen werden (sollen). Die Ausgestoße­nen der Gesellschaft werden hier weggesperrt, um Probleme im Zusammenleben zu verstecken. Anstatt kollektiv Verantwortung für diese Probleme zu übernehmen, wird es der Justiz überlassen, wer in der Welt außerhalb der Mauern leben darf und wer den engen Umkreis des Gefängnisses nur durch Gitterstäbe und Zäune betrachten soll. Als Anarchist*innen stellen wir uns gegen staatliche Repression, wir stellen uns gegen die Einsperrung von Menschen, sei es durch analoge Mauern oder die technologische Inhaftierung im Freiluftgefängins. Mit eben derselben Entschlossenheit stellen wir uns an die Seite der Gefangenen. Der Kampf inner- und außerhalb der Knäste nimmt verschiedenste Formen an, die sich gegenseitig ergänzen. Manche stellen sich an Sylvester vor den Knast oder schreiben Briefe, andere organi­sieren sich gegen die Zustände und machen die kläglichen Verhältnisse hinter den Mauern bekannt, wieder andere kümmern sich um die konkrete Unterstützung der Insassen. Hin und wieder ziehen einige los, mit dem Ziel, die Profiteure von Ausbeutung und Inhaftierung zur Rechenschaft zu ziehen.
Hier ein Text mit Positionen zu Knästen, die wir teilen
https://chronik.blackblogs.org/?p=11185

Bei aller Feindschaft, die wir gegenüber Gefängnissen und der Gesellschaft, die sie braucht, hegen, motivierte uns zu dieser Ak­tion, vor allem die immer noch andau­ernde Inhaftierung von Lina und der Prozessbeginn gegen sie und weitere Gefährt*innen letzte Woche hier am Oberlandesgericht. Sie sind angeklagt, Faschisten angegriffen und sich als kriminelle Vereinigung organisiert zu haben. Ihnen wird vorgeworfen, konsequent antifaschistisch gehandelt, also Faschisten wirksam bekämpft zu haben. Wer behauptet, dieser Kampf sei an der Wahlurne, in Parlamenten oder im „demokratischen Diskurs“ zu führen, verkennt die Geschichte dieses widerlichen Landes. Da der Staat die Grundlage des Faschismus ist, kann der Kampf gegen den Faschismus sich nicht auf die vom Staat zugelassenen Mittel beschränken. Faschisten müssen auch militant angegriffen werden, sie müssen sich fürchten, noch weiterhin aktiv zu sein, sie müssen an ihrem menschenfeindlichen Tun handfest gehindert werden.

Wir danken den Genoss*innen, die Faschisten verprügeln!
Wir schicken das Knistern unserer Flammen zu Lina, ELLA/Up1 und Boris!
Freiheit für alle Gefangenen!
Für die Anarchie!

Einige Autonome

P.S.: Zur Brandlegung im Gebäude nutzten wir ca. 6 Liter Benzin, die wir auf 4 Flaschen mit 1,5 Liter Volumen verteilten. Das Auto entzündeten wir mit einer kleinen, ebenfalls mit Benzin gefüllten, 0,5 Liter Flasche. Um auf den Überwachungskameras keine guten Bilder zu produzieren, trugen wir Regenponchos, die für eine Verschleierung von Körperform und Gangart sorgen. Um unsere Kopfform unkenntlich zu machen, benutzten wir Hüte. Die Wei­ter­entwicklung der Videoauswertung bereitet vielen Genoss*innen Sor­ge, wir wollen mit diesem Einblick Möglichkeiten aufzeigen, sich gegen diese Überwachungstechnik zu wehren.

Hier findet ihr eine Liste weiterer Knastprofiteure
https://list.noblogs.org/files/2021/07/FINALTARGETS-1.pdf